Arbeitsstress und Freizeitstress

In der Arbeitswelt heißt es immer schneller zu werden und mehr Leistung zu bringen. Das ist zwar nicht gesund aber wir tun es trotzdem, weil wir Geld verdienen müssen. Und wenn wir mal nicht Arbeiten, erholen wir uns nicht, sondern machen uns Freizeitstress. Denn heutzutage jagen wir der Selbstinszenierung nach. Wir wollen schließlich alle etwas Besonderes sein und sind es genau deshalb nicht.

 

Arbeitsstress und Freizeitstress sind selbstgemachte Leiden. Etwas daran zu ändern liegt bei dir.

 

Als wenn uns die meisten Arbeitsplätze nicht schon genug Kraft und Gesundheit kosten, machen wir in unserer Freizeit mit dem gleichem "Stress-Level" weiter. Wenn wir den Haushalt erledigt haben, den Garten bearbeitet, den Einkauf erledigt und das Auto gewaschen haben, ist noch längst nicht Schluss. Vereine und Sportarten wollen noch bedient werden. Das neuste, gehypte Hobby muss ausgeübt werden. Das alles wird dann natürlich ausreichend mit Fotos dokumentiert und auf den Social-Media Plattformen breitgetreten. Selbstinszenierung ist das Ziel.

Was ist eigentlich mit uns Menschen heutzutage los? Nicht mehr viel wie es scheint. Der materielle Überfluss und die fortschreitende Technik, lässt den Mensch ironischerweise immer mehr abstumpfen.

 

 

■ Arbeitsstress wird immer bedenklicher

 Arbeitsstress ist einer der Gründe für das Unglücklichsein, wie ich auch bereits in meinem Gastartikel geschrieben habe. Immer mehr Leistung, am besten in kürzerer Zeit, für stetig steigende Umsatzzahlen. In Anbetracht der Anzahl an stressbedingt ausfallenden Personen, dürfte jedem so langsam klar werden das wir unsere Grenzen erreichen. Noch mehr geht nicht mehr.

Japan hat bei diesem Thema scheinbar den Zenit überschritten. Die Selbstmordrate ist in diesem Land die höchste weltweit. Die Japaner beginnen nun auf Regierungsebene Konzepte auszuarbeiten die dem ungesunden Arbeitsalltag entgegenwirken sollen. Ob diese wirklich sinnvoll umgesetzt werden und überhaupt einen Effekt erzielen, bleibt abzuwarten.

Aber auch in anderen Ländern wird die Arbeit immer mehr Fluch als Segen. In einigen deutschen Bundesländern muss man sich wirklich schon Fragen, ob man noch Arbeiten geht oder lieber Arbeitslos bleibt und dem Staat auf der Tasche liegt. Geldtechnisch gesehen kommt nämlich fast dasselbe dabei heraus. Wozu also noch auf eine stressige Arbeit gehen?

Aber der Arbeitsstress ist nicht das Hauptthema dieses Artikels und politische Themen möchte ich auf meinem Blog eher meiden. Kommen wir von daher mal zu unserer Freizeit.

 

 

■ Freizeitstress statt Erholung

 Unsere Smartphones und die damit einhergehende dauerhafte Verbindung zu den Social-Media Webseiten, sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Man kann alles jedem zu jeder zeit mitteilen und ist für alle immer erreichbar. Das uns das nicht guttut merken wir langsam selber. Dennoch nutzen wir es weiter, denn ein Like hier oder ein netter Kommentar dort, lösen Glücksgefühle aus. Ankerkennung und Bestätigung abgreifen und seine Selbstinszenierung voranzutreiben um das eigene, reale Leben scheinbar aufzuwerten, sind die Hauptnutzungsgründe für die Social-Media Plattformen.

Ständig müssen neue Reize her. Und da kommen wir nun zu unserer Freizeitgestaltung. Man muss ja schließlich irgendetwas zum posten haben, oder?

Sportarten werden nicht mehr ausgewählt nach dem eigenen Interesse, sondern danach was die Aktivität über uns aussagt und wie sie uns darstellt. Ist es eine sehr bekannte Sportart? Wird sie gerade ordentlich gehypt? Was sagen mir die Medien, was ich jetzt für Sport machen soll?

 

Joggen in der Freizeit hilft prima gegen Arbeitsstress.

Und wenn man dann anfängt, investiert man vielleicht ein zwei Stunden und dann muss was anderes gemacht werden z.B. shoppen. Denn so gut wie jede Sportart hat ja ihr eigenes überteuertes Outfit, was am besten Halbjährig gewechselt werden sollte.

Wir sind ständig gehetzt. Fangen das eine an und wechseln nach nicht allzu langer Zeit zur nächsten Sache. Mal etwas wirklich durchzuziehen und dauerhaft zu betreiben, schaffen viele einfach nicht. Und da liegt auch das Problem des Misserfolgs. Zu Beginn des Jahres setzten sich viele ein paar sportliche Vorsätze und wursteln sich dann durch mehrere Sportarten ohne einen Effekt zu erzielen. Keine Lust mehr, nächste Beschäftigung her.

Ich jogge z.B. seit mehreren Jahren sehr gerne und wenn ich mich mit Bekannten unterhalte, sind diese verwundert, dass ich das immer noch mache.

Man springt zwischen angesagten Hobbys und Sportarten hin und her, Hauptsache man kann was darüber posten. Zeitaufwendigere Hobbys, die tatsächlich auch einen Entspannungs- /Erholungseffekt haben, werden heutzutage immer seltener ausgeübt. Malen, ein Instrument erlernen, etwas selber basteln usw. werden immer mehr zur Raritäten unter den Hobbys.

So und haben wir nun auch genug Fotos von unserer heutigen Aktivität gemacht? Dann tauchen wir mit unserem Smartphone wieder in die digitale Welt ab und lassen es alle wissen. Und da der Tag nun auch schon rum ist, können wir uns heute halt nicht mehr mit Freunden treffen. Dann halt morgen...moment da ist da der Verein XY angesagt und ich weiß gar nicht wann ich von Arbeit komme.

 

■ Blick in die Zukunft

Ich denke all das hier erwähnte ist nichts Neues. Wissen tun es viele, ändern aber kaum einer. Wir wollen Geselligkeit und sitzen dann mit unseren Freunden am Tisch und jeder glotzt nur auf sein Smartphone. Wir sehnen uns nach Natur und Ruhe, fahren dann aber mit dem Auto und dem plärrenden Radio in den Wald und suchen dann mit unserem Telefonen nach gutem Empfang um diesen „tollen Naturausflug“ gleich auch posten zu können.

Bindungen zu anderen Menschen vernachlässigen wir auch immer mehr.
Neuerdings liest man in Elternratgebern, dass man sein Kind häufig anschauen und mit ihm reden soll, anstatt den Kinderwagen vor sich her zu schieben und gleichzeitig aufs Smartphone zu starren und (sinnfreie) Chats zu führen. Wo sind wir denn inzwischen angekommen? Muss man das den Eltern von heute wirklich erst erzählen?

 

Reizüberflutung führt zu Abstumpfung.

Ist der Arbeitsstress wirklich notwendig? Warum macht es sich der Mensch selber so schwer?

Die meisten Kinofilme werden heutzutage so geschrieben und produziert, dass der Mensch von heute sich nicht dauerhaft auf die Handlung konzentrieren muss um ihr folgen zu können.

Mal eben die Nachrichten checken und E-Mails lesen, ohne den Anschluss an die Handlung zu verlieren, ist heutzutage ohne weiteres möglich, da die Filme ohne großen Anspruch und Komplexität daher kommen.

Teilweise sucht man so etwas wie eine Handlung sogar vergebens.
Mal ganz davon abgesehen das die meisten Menschen sich überhaupt nicht mehr auf einen 2-stündigen Film konzentrieren können. Neue Reize müssen her.

Aber das nervt uns langsam selber. Wir werden immer unzufriedener und auch unser Gesundheitszustand scheint immer anfälliger zu werden. Wir stressen uns auf Arbeit und in unserer Freizeit und finden irgendwie nicht mehr zueinander.

Wenn wir so weiter machen wie bisher, sieht die Zukunft recht düster aus. Mehr, Mehr, Mehr und das alles immer schneller. Arbeitsstress hier und Freizeitstress da. Das sind selbstgemachte Leiden. Wenn der Verstand immer mehr verkümmert und jeder nur noch digital versucht, über irgendwelche Reize ein paar „schöne Momente“ zu erleben und sich mit ständig, schnell wechselnden Aktivitäten von seinem Leben ablenkt, ist der Mensch wahrscheinlich an einen neuen Tiefpunkt seiner Existenz angekommen.