Erkenne dich selbst

Zahlreiche Tipps zum glücklich werden und keiner bewirkt so wirklich etwas bei dir? Das dein Leben nicht funktioniert, wie du es möchtest, liegt daran, dass du dich bisher selbst nicht erkannt – bzw. es immer falsch verstanden hast. Was ist also wirklich gemeint mit dem, gefühlt sehr ausgetretenen, Ratschlag sich selbst zu erkennen?

 

Erkenne dich selbst und lenke dein Leben in die gewünschten Bahnen.

 

Ja ich weiß, dass du jetzt bestimmt mit den Augen gerollt hast als du die Überschrift gesehen hast. Dieses Geschwafel von „sich selbst erkennen“, Erleuchtung, Selbstfindung hast du schon so oft gehört und wird gefühlt von jeder spirituellen Seite diskutiert. Das will ich auch gar nicht abstreiten. Das „Erkenne dich selbst“ ist einer der „Ich mache dein Leben besser“-Tipps die einem entgegengeworfen werden und mit den man sich nun intensiv beschäftigen soll. Allerdings deuten wir diesen Rat nur sehr oberflächlich bzw. gehen damit einfach falsch um. Somit bringt uns dieser Tipp kein Stück voran.

Beim sich selbst erkennen geht es nicht darum das du deine Stärken und Schwächen kennst und sie auswendig herunterrattern kannst. Das ist nämlich das „sich kennen“, welches nicht gleichzusetzen ist mit „erkennen“. Worin liegt da aber jetzt genau der Unterschied?

 

„Erkenne dich selbst“ heißt...

Ich weiß doch wer ich bin und wie ich wirke, oder?
Das du meinst genau zu wissen, wie dich dein Umfeld war nimmt?
Du weißt, wie sich deine Stimme für andere Menschen anhört, ja? Kurios nur das , wenn du deine Stimme z.B. mal für eine Sprachnachricht aufnimmst, sich diese etwas anders anhört, als wie du sie selber in dem Moment war nimmst, wenn du gerade sprichst.

Genau so, wenn du dich und dein Verhalten mal eine Zeit lang filmen würdest. Wirkst du in diesen Momenten in diesem Video genau so, wie du es zu dem Zeitpunkt wahrgenommen hast? Nein. Und das liegt daran, dass du dich selber überhaupt noch nicht erkannt hast.
Sich selbst zu erkennen bedeutet sich so wahrzunehmen, wie man für Außenstehende wirkt.

Die wenigsten wissen wie sie tatsächlich nach außen wirken. Und darin liegt oft das Problem von Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind. „Ich verstehe nicht, warum immer mir so etwas passiert“ oder „Ich habe eben einfach immer nur Pech im Leben“, sind dann Aussagen die aus der Unwissenheit über sich selbst entstehen.

Da bringt es dann auch nichts, sich zahlreiche Ratgeber und Weisheiten anzulesen, wenn man sich selbst bisher überhaupt nicht erkannt hat.

Wie kommt man nun aber auf dieses Level über sich selbst mehr im Klarem zu sein? Selbstreflexion und das Annehmen von Kritik können da schon ganz gut helfen. Am besten wäre es, wenn du zusätzlich noch in der Lage bist, dir konkret vorzustellen, dass du aus dir heraustreten und dich selber beobachten kannst.

Denke an bestimmte Situationen zurück und versuche dich dabei in die Lage eines Außenstehenden zu versetzten und beobachte dich und dein Verhalten einmal selbst. Wie bei den Sprachnachrichten oder einem Video, auf dem du drauf bist, wird dein "Ich" anfangs auch etwas befremdlich auf dich wirken. Denn so wie jetzt hast du dich in dem Moment, in der die Situation stattgefunden hat, nicht gesehen.

Das ganze musst du nicht nur bei vergangenen Momenten durchspielen. Du kannst auch zukünftige Ereignisse schon etwas durchspielen. Egal ob eine Diskussion mit deinen Kollegen oder eine Familien-Feier ansteht, bei der auch Leute auftauchen auf die du nicht so gut zu sprechen bist usw.

Dadurch das du vorher schon erkennst, wie du in dieser Situation handeln wirst und wie das wirken wird und was es nach sich ziehen könnte, bist du in der Lage schon frühzeitig gegenzusteuern und Ereignisse in deinem Leben in die gewünschte Richtung zu lenken.

Gleichzeitig dient das ganze natürlich auch dazu konkrete Fehler an dir zu erkennen und diese zu beheben. Womit wir wieder bei der Selbstverbesserung angekommen währen.

Wenn du also soweit bist dich selbst zu erkennen, bist du auch in der Lage deine Ziele besser zu erreichen und dein Leben nach deinen Wünschen zu leben.

Ein Beispiel für jemanden, der überhaupt noch nicht soweit ist, habe ich in Form einer E-Mail eines Lesers erhalten. Dieser schrieb, dass er von seinem Umfeld schwer enttäuscht ist da er dieses Jahr bei niemandem zu Weihnachten eingeladen ist und er Wohl oder Übel alleine zu Hause sitzen wird.

Anstatt die Fehler bei anderen zu suchen, wäre es offensichtlich sinnvoller mal auf sich zu schauen und sich zu Fragen warum er von niemanden eingeladen wurde. Denn wenn es wirklich alle Leute aus seiner Familien und Bekanntenkreis sind, die eher ablehnend reagieren, so wird die Ursache sehr wahrscheinlich bei ihm liegen.

Derjenige sollte sich Fragen wie er z.B. beim gemeinsamen Feiern auf andere wirkt. Redet er vielleicht zu viel Blödsinn und hält sich für lustig? Wie Verhält er sich den anderen Gegenüber? Das sind Fragen, die sich die betroffene Person stellen sollte und nicht, „warum sind die alle so blöd zu mir?“
(Ich hoffe der Leser, der mir die E-Mail geschickt hat, ist jetzt nicht beleidigt. Ich muss das ganze aber nun einmal mit deutlichen Worten schreiben, weil es sonst nicht ankommt. Ich will niemanden damit heruntermachen oder beleidigen.)

 

Der neue Blickwinkel

Was bringt es mir außerdem mich selbst zu erkennen?
Du erhältst mit der Zeit auch eine andere Sichtweise über dein Umfeld. Warum handeln Menschen so wie sie handeln? Worin liegen die Ursachen für die zahlreichen Probleme unserer Gesellschaft? Was bedeutet das für dein Handeln? Wie beeinflusst dies dein Leben? Wer sich selbst und seine Handlungen von „außen“ betrachtet, wird mehr und mehr Klarheit erlangen.

Ein paar Beispiele:
Warum parkst du nicht auf Parkplätzen die für die dortigen Anwohner ,deutlich gekennzeichnet, reserviert sind?
Weil du es nicht gut findest jemanden vor seiner Haustür den Parkplatz wegzunehmen und ihn somit Umstände zu machen?
Oder tust du es nicht, weil du Angst vor der Strafe (Abschleppen, Bußgeld) hast?

Zahlst du deine Steuern, weil du zufrieden mit den Handlungen der Politiker bist oder weil du Angst vor der Strafe des Nichtzahlens hast?

Suchst du eine(n) Partner(in) weil du dein Glück mit jemanden teilen möchtest oder weil du Angst hast als Außenseiter(in) abgestempelt zu werden, wenn du alleine bist?

Machst du Abends bei deiner Hausparty ab 22 Uhr die Musik leiser, weil du die Nachbarn nicht in ihrer Nachtruhe stören willst oder weil du Angst davor hast, dass jemand die Polizei ruft?

Wird dir klar was dein Leben größtenteils beeinflusst? Angst. Wir werden mit Angst gelenkt. Strafe über Vernunft. Kinder werden aufgezogen nach dem Motto: „Wenn du das nicht machst, bekommst du eine Strafe.“ Statt mit Vernunft aufzuwachsen und in der Gesellschaft zu diskutieren was am vernünftigsten wäre, um zusammen zu leben, werden Strafen aufgestellt. Aber das kann doch nicht die Grundlage einer zivilisierten Gesellschaft sein, oder?

Daher ist es so wichtig, dass sich jeder selbst erkennt und mit Vernunft am Leben teilnimmt. Das heißt aber nicht das du jetzt all deinen Mitmenschen mit erhobenen Zeigefinger begegnen oder ihnen deine Erkenntnisse aufdrängen sollst. Gehe lieber als gutes Beispiel voran, handle Vernunftbegabt und sei ein Vorbild für die anderen. Inspiriere sie. Das bewirkt viel eher eine positive Veränderung in deinem Leben und in dem Leben deiner Mitmenschen.

Von daher lass dir einen sehr guten Rat geben. Einen Rat, der schon so alt aber auch so weise ist, das es nicht verwundert das man ihn sogar an antiken Gebäuden,wie den Apollotempel ihn Delphi finden kann:

„Erkenne dich selbst!“