Funktioniert Meditation wirklich?

Seit Jahrhunderten ist Meditation vor allem in Fernost eine bekannte Technik zur Förderung von Gesundheit für Körper und Geist. Während Meditation in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist und nicht nur angesehen und anerkannt ist, wachen die Menschen in der modernen, westlichen Welt zumindest langsam auf. Ich habe daher auch den Selbstversuch gestartet, um zu schauen, ob und was es bei mir bewirkt.

 

Funktioniert Meditation wirklich? Ich habe einen Selbstversuch gemacht. Erfahre hier im Artikel mehr darüber.

 

Meine Krankenkasse hat das Thema Meditation inzwischen entdeckt und weist auf mögliche Kurse in meiner Nähe hin. Inzwischen gibt es auch einige Wissenschaftler, welche die der Meditation nachgesagten Eigenschaften jetzt nach und nach bestätigen. Neurologen weisen die positiven Veränderungen des Gehirns beim regelmäßigen meditieren nach und ganz allgemein wird die Meditation auch hier bei uns so langsam als eine effektive Methode betrachtet, um Stress zu bekämpfen und andere körperliche Leiden zu lindern.

Dieser Artikel wird hier jetzt keine konkrete Anleitung zum Meditieren enthalten und auch nicht alle Arten aufzählen. Dafür gibt es genug Anlaufpunkte im Netz. Hier jetzt nochmal eine von tausenden Anleitungen und Beschreibungen zu liefern, erscheint mir etwas überflüssig. Deshalb ist dieser Artikel hier als ein persönlicher Erfahrungsbericht geschrieben.

 

Die ersten Versuche zu meditieren

Meditierender Mönch.

Hinsetzen, „Ohmm“ sagen und fertig?
Das klischeehafte Bild vom Meditieren ist nicht wirklich falsch, wird in der Praxis aber nur sehr selten angewendet. Als ich vor wenigen Jahren selber einmal anfangen wollte, ging ich dabei ein wenig halbherzig vor. Ab in den Schneidersitz (oder noch besser Lotussitz) und dann Augen zu und an nichts denken. Das war die Kurzform dessen was mir zur Meditation vermittelt wurde.

Tja, so saß ich dann bei mir in der Wohnstube und kämpfte damit, mal wirklich an nichts zu denken, was kaum gelang. Nach einiger Zeit blieben meine Gedanken dann nur noch daran hängen, das ich die Haltung ganz schön unbequem fand. Der Rücken tat mir weh, die Beine haben gezogen, die Arme waren schlapp von der „Klischee“-Haltung usw. Nach den festgelegten 20 Minuten war ich froh endlich wieder eine angenehmere Haltung einnehmen zu können.

Es wurde leider auch nach mehrmaligen Übungen nicht besser. Erst der Kampf mit den zahllosen Gedanken, die nicht aufhören wollten durch den Kopf zu rauschen und dann das geziehe sämtlicher Gliedmaßen.

Nein, das funktionierte so nicht. Also nochmal belesen und festgestellt das man nicht so unbequem sitzen muss. Also ab aufs Sofa, Schneidersitz eingenommen und Kissen als Rückenlehne benutzt. Ja, das ist doch schon viel besser. Die Gedanken werden nun wieder verscheucht und die angenehmere Haltung machte es leichter länger dran zu bleiben. Nun ja, bis zu dem Moment an dem ich dann jedes mal einschlief.

Meist wachte ich in völlig verrenkter Haltung auf und fühlte mich alles andere als erholt. „Wenn ich jetzt jedes mal so verdreht aufwache, dann kann ich besser gleich sein lassen.“-waren meine anschließenden Gedanken. Meditieren ist scheinbar nichts für mich und wahrscheinlich eh nur so esoterischer Kram. So ruhte das Vorhaben eine Zeitlang, bis ich eine Reise nach Japan antrat.

 

Meditieren in Japan

Tempeleingang in Kyoto

Erste Erkenntnis: Selbst die Mönche schliefen beim Meditieren ein.
Die erste Station meiner Japan-Reise war die ehemalige Hauptstadt Kyoto. Noch heute bekannt für seine altertümlichen Tempel und Tee-Häuser. Kyoto hat sich nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich viel von der alten japanischen Tradition bewahrt.

Einer meiner Stationen war neben dem Nintendo-Hauptquartier, ein Garten inklusive Tempel. Hier kam ich wieder mit der Meditation in Berührung. Ich fragte also direkt einmal mithilfe eines Übersetzter bei den Zen-Mönchen wie sie meditierten und ob sie auch das Problem des dabei Einschlafens haben. Zu meiner Überraschung wurde das bejaht und zugleich auf den Trockengarten, vielen wohl besser als „Zen-Garten“ bekannt, verwiesen. Dieser penibel gerechte Steingarten diente mit seinen gezogenen Linien dazu, die Augen während der Meditation auf den Linien wandern zu lassen, damit man während der Übung nicht einschläft.

 

Zen-Garten in Kyoto
Zen-Garten in Kyoto

 

Meditation mit geöffneten Augen?“, fragte ich verwundert. Ja, ob du es glaubst oder nicht aber es gibt sehr viele verschiedene Arten der Meditation. Erst jetzt merkte ich, wie wenig ich eigentlich über das ganze Thema wusste. Sogleich setzte ich mich vor den Zen-Garten und probierte es einmal aus.

 


Ahorn-Blätter in Japan/Kyoto

Anstatt ständig zu versuchen, die Gedanken zu verdrängen, hörte ich jetzt auf das leise Rauschen der mich umgebenen Ahornbäume, deren Blätter sich hier in saftigen grün und kräftigen Rot präsentierten. Endlich dachte ich mal wirklich an nichts und genoss es einfach hier mitten in Kyoto in einem Tempel zu meditieren. Zugegeben, meine Augen wurden mit der Zeit etwas müder, aber bevor ich wegnickte, erklang der Gong einer Glocke, welche das Ende der Meditation markierte.

 


Diesmal fühlte ich mich wirklich ruhiger und ein bisschen so als hätte ich gerade einen sehr erholsamen Schlaf gehabt. Es scheint also etwas dran zu sein an dieser Meditations-Geschichte.

Was ich letztendlich in Japan über das Meditieren erfuhr, war das man sich zuerst einmal heraussuchen muss, welche Art von Meditation für einen selbst am besten geeignet ist. Es kommt auch darauf an, was man genau erreichen möchte. Möchtest du dich mehr mit dem physischen oder geistigen Körper befassen? Oder beide wieder mehr aufeinander „eichen“? Stress abbauen oder aufmerksamer werden? Alles Fragen, von den ich vorher gar nicht wusste, man sich diese erste einmal stellen sollte. Welche Arten gibt dazu eigentlich?

 

Meditationsarten

 Von ruhig bis bewegt ist alles dabei.
Ich gebe hier jetzt nur grob ein paar Meditationsarten wieder, da ich nicht die tausendste Auflistung schreiben möchte. Daher hier eine Liste der Arten, die ich selber schon ausprobiert habe:

Ruhige Meditation
Sitzend (Schneidersitz,Lotussitz) und an nichts denkend. Den Moment des „Nichtdenkens“ erreichen und das „einfach Sein“ wahrnehmen und genießen.

Achtsamkeits-Meditation
Auf Umgebungsgeräusche achten, vorbeiziehende Wolken oder im Wind wiegende Bäume beobachten, ohne sich Gedanken zu machen. Diese Art hilft sehr gut, wenn du, wie ich, dazu neigst beim Meditieren einzuschlafen.

Wort Meditation
Meine momentane Lieblingsmeditation, da es ja nicht immer möglich ist Draußen zu sitzen und Wolken oder Bäume zu beobachten. Bei dieser Meditation nimmt man sich ein Wort (am besten zweisilbig) das man mit Entspannung verbindet und sagt sich dieses im Rhythmus der eigenen Atmung immer wieder. Häufig wird das Wort „Ruhe“ verwendet. Beim Einatmen sagt man sich dann „Ru-“ und beim Ausatmen „-he“, wobei die Länge variieren kann. (Einatmen: „Ruuuuu-“, ausatmen: „heeee“.)

Man konzentriert sich voll auf das Wort und hat daher keine anderen Gedanken im Kopf und aus irgendeinem Grund schlafe ich dabei auch nicht ein. Deshalb zurzeit mein Favorit.

Zen Meditation
Hierbei wendet man seine Achtsamkeit auf den Körper selbst. Man beobachtet die Atmung, fühlt sich in jeden Teil des Körpers rein und achtet auch auf kleinere Schmerzpunkte, wie z.B. eine Verspannung im Bein. Auch aufkommende Gefühle werden genau „beobachtet“ und registriert.

Mantra Meditation
Die ständig Wiederholung eines Wortes oder Satzes. Auch Musik bzw. Takte, Trommeln findet man bei der Mantra Meditation. Einschlafen ist hier (fast) nicht möglich. Mir aber teilweise nicht ruhig genug.

Wie oben erwähnt gibt es noch bewegungsreiche Meditationen wie z.B. „Qigong“ oder „Tai chi“, welche in erster Linie die Beweglichkeit des Körpers ansprechen und daher logischerweise in erster Linie zur Verbesserung der körperlichen Fitness dienen.

 

Fazit

Hat Meditation nun etwas bei mir bewirkt?
Wie eingangs erwähnt bestätigt die Wissenschaft nun nach und nach die positiven Effekte der Meditation. Was aber kann ich nach monatelangem meditieren sagen? Zwei Dinge. Meditieren wirkt tatsächlich sehr erholsam und macht einen deutlich weniger Stress anfällig. Wo man sich früher z.B. auf Arbeit tierisch mit Kollegen aufgeregt hat und völlig ausgelaugt von Arbeit kam, nimmt man vieles jetzt wesentlich lockerer und steht eher cool daneben, wenn es unter Kollegen mal wieder einen neuen Aufreger gibt. Man lässt sich auf Ärger und Stress weniger ein bzw. lässt solche Dinge weniger bis gar nicht mehr an sich heran.

Ich bleibe daher dabei jeden Tag 20 Minuten zu meditieren und kann dir empfehlen es ruhig auch einmal zu versuchen. Die Frage in der Überschrift, ob Meditation wirklich funktioniert, kann ich für mich mit „Ja“ beantworten.