Leben wir in einer Computersimulation? Teil 2

Hier nun der zweite Teil meines Artikels, welcher der Frage nachgeht, ob wir in einer Computersimulation leben. Bereit an die Grenzen deiner Vorstellungskraft zu gehen? Dann los!

Wäre das Universum eine Simulation, so wäre es die perfekteste Computersimulation die je geschaffen wurde.

Gibt es doch einen Schöpfer?

 ■ Die Überlegung einer Simulation führt zwangsläufig zu einer weiteren Möglichkeit: einem allmächtigen Schöpfer.

Der Physiker Sir Martin Rees weist in einem Artikel aus dem Jahre 2007 auf die interessante Tatsache hin, dass die Naturgesetze erstaunlich perfekt aufeinander abgestimmt sind. Würde nur eines dieser Gesetzte nur ein kleines bisschen anders sein, könnte die Art und Weise von Leben wie wir es kennen überhaupt nicht existieren.

Als ein Beispiel nennt er die „kosmologische Konstante“. Dieser Wert regelt die Geschwindigkeit der Ausdehnung unseres Universums. Das besondere: Diese Konstante ist auf 120 Stellen nach dem Komma exakt auf das Leben eingestellt.


Um das zu verdeutlichen, hier die kosmologische Konstante einmal ausgeschrieben:

 

 

0,000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000001

 

(Ich habe nirgends im Internet die ausgeschriebene Version gefunden und musste tatsächlich mitzählen, während ich auf die „0“-Taste gehämmert habe. Genieße also den seltenen Anblick des bis zur 120. Stelle ausgeschriebenen Wertes der kosmologischen Konstante.)

Wäre die 120. Stelle nach dem Komma nicht „1“, könnte sich kein Leben in der uns bekannten Form entwickeln. Ist dir eigentlich klar, was das für ein Aufwand ist 120 Stellen durchzuprobieren, bis man einen Wert findet, der komplexes Leben zulässt? Das halten selbst viele Physiker kaum für einen Zufall und genau deshalb ist die kosmologische Konstante so rätselhaft für die Wissenschaft.

An dieser Stelle bewegen sich die Wissenschaftler auf eine Möglichkeit zu, die von zahlreichen Religionen schon seit Jahrhunderten vertreten wird: Das es einen allmächtigen Schöpfer gibt.

 

Sind wir in einer Simulation die von einem allmächtigen Schöpfer erschaffen wurde?
Sind wir doch die Schöpfung eines allmächtigen Gottes?

 

Klar könnte man jetzt sagen, dass ein solcher Zufall schon mal vorkommen kann, doch es gibt weitere solcher „Zufälle“. Nur um noch kurz ein Beispiel zu nennen, sei hier noch der "Goldene Schnitt" erwähnt. Man nennt diese Zahl auch „Phi“.

Der „Goldene Schnitt“ teilt eine Strecke so in zwei Hälften, dass die kürzere Hälfte im selben Längenverhältnis zur längeren Hälfte steht, wie die längere Hälfte zur gesamten Strecke.

Um den Artikel nicht noch komplizierter zu machen, beschränke ich mich hier auf diese Erklärung und möchte jetzt dazu überleiten, dass der Goldene Schnitt interessanterweise in der Natur sehr häufig zu finden ist.

Die Anordnung von Blättern einiger Pflanzen liegt exakt dem Goldenen Schnitt zugrunde, ebenso die Spirale eines Schneckenhauses oder der Anordnung von Sonnenblumenkernen in einer Sonnenblume. Genau so befinden sich deine Knie, basierend auf der Gesamtlänge deines Beines, an dem Punkt des Beines wo sich mathematisch der goldene Schnitt befindet. Das gleiche trifft auf deine Arme zu und ist generell im Menschen zu finden.

Das Ganze wurde in einem Bild von Leonardo da Vinci sehr schön dargestellt. „Der vitruvianische Mensch“ ist eigentlich jedem bekannt:

 

Der vitruvianische Mensch, gezeichnet von Leonardo da Vinci.

 

Auch hier ist es ein viel zu großer Zufall, dass scheinbar alles aus der Natur auf dem Wert des Goldenen Schnittes basiert. Viel mehr scheint es, dass jemand einen Wert gefunden hat der sich äußerst gut dafür geeignet, funktionierende Konstruktionen zu erschaffen. Und basierend auf diesem, uns und unsere Welt geschaffen hat.

Gut, auch das alles ist kein endgültiger Beweis für einen Gott oder die These der Simulation. Dennoch sind es gerade diese Kuriositäten der Wissenschaft die eine unglaublich erscheinende Möglichkeit aus dem Reich des Aberglaubens in unsere „Realität“ bringen.

 

Ist diese Simulation zu perfekt?

Ist es überhaupt möglich, eine so komplexe und fehlerfreie Simulation zu erschaffen?
Natürlich müssen wir auch die Überlegung anstellen, was gegen die Simulation spricht. Jeder der schon einmal ein Programm oder zumindest ein bisschen Code geschrieben hat, weiß das ein Programm nie perfekt ist. Es gibt immer wieder unter seltenen und bestimmten Umständen einen Fehler der etwas ungewolltest im Programm verursacht.

Solche Fehler würden uns sofort auffallen. Selbst Kleinigkeiten wie eine Fahne die sich im Wind bewegt. Sobald diese nicht 100% physikalisch korrekte Bewegungen vollzieht, merken wir das sofort. Das sieht man z.B. bei älteren Zwischensequenzen von Computerspielen sehr gut.

Was wären denn sichtbare Fehler in „unserer“ Simulation?
Das wäre im Alltag z.B. dann vielleicht ein Flugzeug das kurzzeitig regungslos im Himmel „schwebt“, oder ein Mensch, der plötzlich durch Wände gehen kann oder Regen, der nicht nach unten, sondern nach oben fällt.

Wäre unser Leben eine Simulation, so wäre dies die perfekteste, künstliche Welt, die je geschaffen wurde. Und das wiederum ist sehr unwahrscheinlich, weil nahezu unmöglich.

Außerdem enthielte die Simulation dann auch viele Dinge die scheinbar unnötig erscheinen. Ich habe zum Beispiel überlegt, warum man in einer Computersimulation so etwas wie Leid und Schmerzen „einbauen“ sollte? Macht das Sinn? Ist es notwendig für ein simuliertes Leben? Ich denke ja.

Ohne Schmerzen wüssten wir gar nicht das Wohlbefinden zu schätzen. Wir würden den unterschied nicht merken. Man könnte es mit einer Pflanze vergleichen, die Sonnenlicht und Wasser benötigt. Allerdings immer in gewissen Maßen. Zu viel Wasser oder Sonne würde die Pflanze nicht überleben. Genau so würde sie bei zu wenig Wasser und Sonne ebenfalls sterben. Erst das richtige Maß aus beiden ermöglicht Leben.

Vielleicht ist das Leben genau das. Nur ein Zusammenspiel bestimmter Komponenten im richtigen Verhältnis. Wie das Ying und Yang erst zusammen einen vollständigen Kreis ergibt, so ergibt erst die Kombination aus Tag und Nacht, Schmerz und Wohlbefinden, Lieben und Hassen, Essen und Trinken, Schlafen und aktiv sein usw. erst das was wir als Leben bezeichnen.

Würde eines davon wegfallen, gäbe es vielleicht kein Leben.

 

Sicher ist nur eines, du selbst.

Worüber kann man sich überhaupt sicher sein?
Das Grundproblem an der Frage, ob wir in einer Computersimulation leben ist, das wir diese Frage immer weiter bis in die Unendlichkeit stellen können.

Nehmen wir an wir finden heraus das wir in einer Simulation leben und uns ein Schöpfer erschaffen hat. Lebt der Schöpfer auch nur in einer Simulation? Und wer hat ihn erschaffen? Lebt der Schöpfer des Schöpfers auch nur in einer Simulation?

Du siehst, egal was wir herausfinden, es ist wahrscheinlich unmöglich an das Ende, an die eine Wahrheit zu gelangen.

Das Einzige, bei dem du sicher sein kannst, ist das du existierst. Der Franzose René Descartes (Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler) hat es bereist in seinem berühmten Satz erkannt: „Ich denke, also bin ich.“

Über dich selbst kannst du sicher sein. Alles andere könnte „nicht“ sein. Vielleicht bin ich nur ein Programm, dass diesen Artikel schreibt, um dich zu beschäftigen? Wer weiß...

Gut, abschließend stellen wir fest, dass diese Fragestellung unmöglich zu beantworten ist und viele weitere Fragen und Themen hervorbringt die an die Grenze unserer Vorstellung gehen.

Ich habe diesen Artikel in erster Linie geschrieben, um deine Gedanken mal auf neue Wege zu bringen und etwas weitsichtiger zu denken. Einfach damit du erkennst wie banal eigentlich solche Dinge wie, eine Freundin zu haben, sind. Schön ist es, aber längst nicht so ultimativ wichtig. Das Leben bietet so viel mehr. Es geht mir darum, dir die Vielschichtigkeit des Lebens zu verdeutlichen. Also verschwende deine Zeit nicht nur mit einer Sache. Apropos Zeit. Die Zeit ist ebenfalls ein sehr interessantes Thema. In absehbarer „Zeit“ werde ich auch dazu einen Artikel schreiben.

Jetzt erst einmal weiterhin viel Spaß in dieser tollen „Simulation“ und bis zum nächsten Mal.


Quellen: Welt der Wunder, Ausgabe 10/07-"Ist unser Leben eine Simulation" von Sir Martin Rees; Wikipedia