Was genau ist Zeit?

Sie lässt uns warten und sie lässt uns hetzen. Sie kann uns langweilen oder erfreuen. Die Zeit. Sie begleitet dich ständig. Von Geburt an bis zu deinem Tod wird die Zeit immer eine Rolle in deinem Leben spielen. Doch obwohl sie so allgegenwärtig ist und wir ständig mit ihr zu tun haben, wissen nur die wenigsten was Zeit eigentlich ist. Wenn du jetzt an Sekunden, Minuten oder Stunden denkst, liegst du nämlich falsch...zumindest etwas.

 

Was ist die Zeit wirklich? Können wir die Zeit beeinflussen?

 

Wie in meinem Artikel, „Leben wir in einer Computersimulation - Teil 2“, bereits erwähnt, möchte ich auch einen Artikel über die Zeit selbst schreiben. Und dem komme ich heute nach. Von grundlegenden physikalischen und astronomischen Aspekten bis hin zu spannenden Zeitreisen, wird dieser Artikel einige interessante Themen rund um die Zeit abdecken. Verschwenden wir also nicht unsere Zeit und fangen direkt an.

 

 

Worauf beziehen sich unsere Uhren?

 Uhren haben weniger mit Zahlen, sondern viel mehr mit der Erdumlaufbahn zu tun.
Mit unseren Uhren messen wir die Zeit. Wir lesen einfach die Minuten und Stunden ab und wissen in welcher Zeit wir gerade leben. Doch was sagt dir die Uhr wirklich? Die Angabe „17:03 Uhr“ ist eigentlich eine vereinfacht und stark abgeänderte Form der Aussage, in welcher Konstellation sich gerade die Erde zur Sonne befindet.

Ja richtig. Die Uhr sagt dir eigentlich in einer verschlüsselten Form, an welcher Position sich gerade die Erde in unserem Sonnensystem befindet.

Bei den Sonnenuhren ist das noch wesentlich deutlicher nachzuvollziehen, da diese sich direkt am Lauf der Sonne orientieren. Man leitete aus der Bewegung des Schattens, den der Zeiger der Sonnenuhr erzeugt, die uns bekannten Sekunden, Minuten und Stunden ab. Pendel die im Sekundentakt hin und her schwangen, waren die nächste Stufe der Entwicklung zu unseren Uhren.

Und mit einem gleichmäßig angebenden Takt funktionieren die heutigen Uhren.
Wir haben uns einfach daran gewöhnt das Zeit eben aus Minuten, Sekunden usw. besteht, doch wie eingangs erwähnt, basiert das Ganze im Grunde nur auf der Bewegung unserer Erde.

Ist Zeit also eigentlich Bewegung? Nicht wirklich. Denn selbst wenn die Erde jetzt still stehen würde, würdest du ja trotzdem weiter altern und die Zeit ja dennoch weiterlaufen. Aber woran machen wir unser Zeitverständnis den nun fest? Haben wir nicht eben noch festgehalten das unsere Zeit auf der „Erde zur Sonne Konstellation“ basiert?

Du merkst, wir wissen eigentlich gar nicht so recht was Zeit wirklich ist. Selbst die Physik kann „Zeit“ nicht so leicht erklären und festlegen. Wir können sie mit unseren Uhren messen aber nicht beeinflussen, geschweige denn wirklich erklären.

 

Woran wir erkennen das Zeit vergeht

Auch ohne eine Uhr können wir das voranschreiten der Zeit beobachten.
Wie schon erwähnt sehen wir auch ohne eine Uhr das die Zeit vergeht, indem wir wahrnehmen, dass wir altern, Pflanzen wachsen, die Jahreszeiten kommen und gehen usw. Generell also durch Veränderungen unserer Umwelt wird deutlich das Zeit vergangen sein muss. Man sagt ja auch so schön das der „Zahn der Zeit“ an etwas nagt.

Aber auch wenn du z.B. einen Stift in die Hand nimmst und diesen fallen lässt, kannst du beobachten das Zeit verläuft. Bzw. ist die Tatsache, das der Stift auf den Boden aufschlägt, ist ein deutliches Zeichen dafür, das Zeit vergangen sein muss.

In Anbetracht dieser verschiedenen Beobachtungen müsste man die Zeit doch eigentlich aufteilen in Lebenszeit, Bewegungszeit und Uhrzeit. Drei Begriffe, die miteinander verknüpft sind und dennoch getrennt betrachtet werden müssen, da sie doch nicht gleich sind, obwohl sie sich teilweise gegenseitig beeinflussen.

Wir können also unterschiedliche Hinweise finden das Zeit vergeht und können diese sogar in drei Formen der Zeit einordnen. Zeit ist also nicht gleich Zeit.

 

Wie kann man sich Zeit vorstellen?

Tatsächlich lässt sich Zeit besser mit Wasser, als mit einer Uhr beschreiben.
Ich habe vor einer Weile mal versucht die Zeit mit einem Gleichnis zu beschreiben. Die Zeit stellte ich mir dabei wie einen Wasserfall vor. Der Betrachter steht unter diesem und schaut nach oben. Das Wasser was auf ihn zugeflogen kommt, ist die Zukunft. In dem Moment wo die Zukunft auf ihn trifft, also das Wasser ihn berührt, wird es zur Gegenwart.

Dies ist nur einen Moment Gegenwart. Sobald das Wasser weiterläuft und der Betrachter nach unten schaut und das Wasser wegfließen sieht, ist es bereits Vergangenheit. Nur in dem Moment wo die Zukunft auf seine Schultern trifft, wird sie für einen Moment zur Gegenwart und dann gleich Vergangenheit.

Ich war auf diese Beschreibung recht stolz, da sie ziemlich gut das Prinzip der Zeit beschrieb und etwas greifbarer machte, allerdings hatte bereits eine ganz bekannte Person, Jahrhunderte zuvor eine ganz ähnliche Beschreibung der Zeit formuliert. Die wesentlich kürzer und noch treffender ist.

Wir sprechen wieder einmal vom Universal-Genie Leonardo da Vinci. Dieser schrieb es wie folgt nieder:

 


„Das Wasser, welches du im Fluss berührst, ist das letzte von jenem, was vorbeifloss, und das erste von dem, was herankommt. So verhält es sich auch mit der Gegenwart. Gut zugebrachtes Leben ist lang.“

 

-Leonardo da Vinci (1452-1519)

H.Anna Suh:Leonardo da Vinci Skizzenbücher.Aus dem Englischem: Ursula Fethke,Köln. Paragon Books Ltd 2005

 

 


Sehr schön auf den Punkt gebracht und man merkt sehr deutlich den Unterschied zwischen Amateur und Universal-Genie.

Gut, da wir nun eine kleine Vorstellung von der Zeit bekommen haben, können wir diese nun gleich wieder mit ein paar weiteren Beobachtungen ins Wanken bringen.

 

Der Blick in den Sternenhimmel ist ein Blick in die Vergangenheit. Zeit ist relativ.

Lust auf eine kleine Zeitreise?

In die Vergangenheit schauen? Kein Problem. Warum nicht gleich mehrere Vergangenheiten gleichzeitig betrachten. Das Kuriosum Zeit macht es dir möglich.
Wenn du einen Blick in die Vergangenheit werfen möchtest, brauchst du nur mal eben in den Spiegel zu schauen. Das Bild was du da von dir siehst, ist zwar nur wenige Millisekunden alt, aber es ist tatsächlich bereits die Vergangenheit, die du da betrachtest.
Denn das Licht mit seiner Information muss erst einmal zu deinen Augen gelangen. Diese verarbeiten die Information und leiten die Information an dein Gehirn weiter. Und dein Gehirn formt dann das Bild was du war nimmst.

Mag es bei einem Spiegelbild noch sehr schnell gehen, so das die zeitliche Differenz nicht auffällt, so ist sie z.B. bei der Betrachtung des Abendhimmels schon deutlich größer.

Schauen wir uns dazu mal dieses Foto an:

 

Ein Abendhimmel mit verschiedenen Planeten. Auch hier spielt Zeit eine spannende Rolle.

 

Wenn das Erstellungsdatum des Fotografen stimmt, so sehen wir hier neben reichlich vielen Sternen noch die Planeten Mars, Saturn und Jupiter. Diese habe ich im Bild gekennzeichnet. (Für die Richtigkeit kann ich nicht garantieren da mir nicht genug Infos bzgl. des Fotos zur Verfügung standen. Aber das ist auch irrelevant für unsere Zeitbeobachtung.)

Wenn du das Bild betrachtest, so siehst du also die Sterne und Planeten wie sie in diesem Moment, in dem das Foto gemacht wurde, aussahen. Richtig? Falsch.
Auf diesem Bild ist zu sehen wie der Mars ca. 2 Minuten bevor das Foto gemacht wurde, aussah. Solange brauchte nämlich das Licht des Mars zu diesem Zeitpunkt zu uns. (Bei größeren Abstand sogar 22 Minuten.)

Und der Saturn? Auf diesem Bild ist er so zu sehen wie er vor 1,5 Stunden aussah.
Jupiter ist uns auf diesem Bild zwischen 30 und 50 Minuten in der Zeit voraus.

Eigentlich verrückt, oder? Wir können auf diesem Bild, drei verschiedene Abschnitte der Vergangenheit gleichzeitig betrachten. Gleichzeitig unterschiedliche "Vergangenheitsabschnitte" in einem Moment festhalten, der ebenfalls schon in der Vergangenheit liegt. Wie beständig sind die drei Zeitformen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eigentlich?

Ich denke an dieser Stelle fangen einige Köpfe an zu qualmen. Daher soll es das für heute erst einmal gewesen sein. Weiter geht es dann im zweiten Teil, wo wir uns dann mit Zeitreisen in beide Richtungen beschäftigen und dann auch wieder mehr auf die Lebenszeit eingehen, um den Bogen zur Persönlichkeitsentwicklung zu spannen.

Also bis zum Nächsten Mal und schau doch heute Abend aus dem Fenster und betrachte die Sterne. Einige von ihnen existieren schon seit tausenden von Jahren nicht mehr. Aber ihr Licht kommt jetzt erst bei uns an. Andere Sternlichter wurden ausgesendet als unser Sonnensystem noch nicht einmal existierte.

 

War dir bisher eigentlich klar, wie weit in die Vergangenheit, du schon so manches mal geschaut hast ?